Im Vorfeld des demnächst zu erwartenden westlichen oder israelischen Angriffs auf den Iran haben mehrere ausländische Botschaften in Teheran damit begonnen ihre Notfalls-Evakuierungspläne zu überarbeiten. Nach einem Bericht der „Jerusalem Post„ gebe es eine Atmosphäre „erhöhter Bereitschaft“.
Es wird befürchtet, der Iran könnte schon bald so viel waffenfähiges Uran angereichert haben, dass bei einer Bombardierung seiner Nuklearanlagen eine humanitäre und ökologische Katastrophe ausgelöst werde.
Da man größere Schäden durch radioaktiven Fallout aber natürlich ganz gerne vermeiden möchte, zumindest offiziell, meint man es also nur „gut“ – wenn man den Iran so schnell wie Möglich angreifen will, am besten noch vor Ostern.
Länger zu warten könnte nämlich bedeuten: „Teile des Iran würden für unabsehbare Zeit unbewohnbar werden. Daher würde man einen Militärschlag durchführen, bevor der Iran genügend waffenfähiges Uran angereichert habe, um eine derartige Katastrophe verursachen zu können.“, schreibt derstandard aus Österreich.
Und weiter: „Israelische Sicherheitsexperten rechnen im Falle einer Militäroperation gegen den Iran mit Raketenangriffen auf Israel und die US-Streitkräfte im Nahen Osten. Zudem werde Teheran die libanesische Hisbollah zu Angriffen auf Israel „aktivieren“ sowie weltweit jüdische Interessen und Einrichtungen attackieren.“
Selbstredend laufen auch für diesen, sehr wahrscheinlichen Fall die Verteidigungs- Vorbereitungen bereits auf vollen Touren:
Am vergangenen Dienstag hat Israel die größte Übung zur Zivilverteidigung in seiner Geschichte begonnen. Bei der auf zwei Tage und 132 Orte angelegten Großübung testeten die Behörden die Reaktionsmöglichkeiten Israels auf groß angelegte Attentate und Raketenangriffe. Simuliert wurde unter anderem der Beschuss Tel Avivs mit Chemiewaffen aus Syrien, ein palästinensischer Raketenangriff auf ein nicht genutztes Elektrizitätswerk in Aschkelon, ein Anschlag auf eine Schule und die Verfolgung eines Selbstmordattentäters.
Ausserdem wurde gemeinsam mit der US-Armee der Kampf gegen die Hisbollah trainiert. Die Nachbarstaaten hat man ja bereits mit Patriot-Abwehrraketen beruhigt versorgt, dann kann also jetzt das „physische Aufwärmen“ beginnen.
Nebenbei nutzt die US-Luftwaffe noch das „Trainigszentrum Afghanistan“, um schonmal unter wenigstens annähernd realistischen Kampfbedingungen ihre, ursprünglich allein für den Einsatz von Atomwaffen konzipierten, Langstreckenbomber vom Typ B1-B „Lancer“ warmzufliegen. Bisher allerdings nur mit kleineren (üblicherweise auch nur von kleineren Kampfbombern eingesetzten) Laser- und GPS-gesteuerte Lenkbomben bestückt.
Am Mittwoch ist mit dem atomgetriebenen französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle, samt der aus fünf weiteren Kriegsschiffen bestehenden Task Force 473, bereits der 4. westliche Flugzeugträger in Angriffsnähe zum Iran eingetroffen, neben den bereits vor Ort befindlichen amerikanischen Schiffen USS John C. Stennis, USS Dwight D. Eisenhower und USS Boxer, welches auch als amphibisches Angriffsschiff dient.
Israelischen Militärquellen zufolge wurde dieses „Rendezvous“ so gelegt, dass es terminlich mit den Beratungen des UN-Sicherheitsrates über weitere Sanktionen gegen Iran übereinstimmte. Die Iraner seien verblüfft über das aufkreuzen der Charles de Gaulle vor ihrer Südküste gewesen, nachdem sie angenommen hatten, Paris würde Abstand von der unnachgiebigen amerikanischen Haltung einnehmen, und verbesserte Beziehungen mit Teheran suchen. Präsident Chirac wolle jedoch westlichen Militärkreisen zufolge vor Ende seiner Amtszeit im Mai einen „schlechten Eindruck reparieren“, der durch seine Aussage vom Februar („die Welt müsse lernen, mit einer iranischen Atombombe zu leben“) entstanden sei – womit er speziell Israel schockierte.
Am Donnerstag haben Tony Blair und die britische Armee – wie zuvor schon Bush und „seine“ Armee – dem Iran vorgeworfen, Aufständische im Irak mit Geld und Waffen zu unterstützen.
„Lokale Stammesführer und Scheichs hätten berichtet, dass iranische Agenten bis zu 500 Dollar (374 Euro) pro Monat an junge Männer zahlten, wenn diese Anschläge auf im Irak stationierte Briten verübten“, sagte der Oberstleutnant Justin Maciejewski am Freitag dem britischen Radiosender BBC Four.
Auch wenn er keinen „unwiderlegbaren Beweis“ habe, gebe es für ihn keinen Grund, diese Angaben zu bezweifeln, sagte der im südirakischen Basra stationierte Offizier.
Wie sich die tags darauf erfolgte Gefangennahme von 15 britischen Marinesoldaten durch den Iran auf das am heutigen Samstag stattfindende Treffen des Uno-Sicherheitsrates auswirkt, wird sich zeigen. Der iranische Präsident Ahmadinedschad wird jedenfalls doch nicht dabei sein.
US- und europäische Geheimdienste warnen unterdessen schonmal Öl-Firmen in OPEC-Ländern vor eventuellen Terroranschlägen, und raten vorsichtshalber Vorbereitungen zu treffen. Man habe „Informationen über die Terrorgefahren durch das Abhören von Telefonaten zwischen Al-Quaida-Vertretern gesammelt.“, heisst es.
Moment, Al-Quaida? Da gab’s doch diesen interessanten Artikel…
Wie bereits das niederländischen Finanzhaus ING (unter deren Dach auch die deutsche DiBa sitzt) in einer 24-seitigen Studie im Januar, so warnt jetzt auch ein Berliner Finanzdienstleistungsunternehmen, die „Arbeitsgemeinschaft Krankenversicherung, Renten und Investmentfonds“, ebenfalls vor den möglichen Folgen eines US-Militärschlags gegen den Iran für Kapitalanleger und Weltwirtschaft.
Auch sie schätzt „die Chancen einer friedlichen Beilegung des Iran-Konfliktes als gering ein“, und versucht in einem beigefügten „Strategiepapier“ Wege aufzuzeigen, wie Kunden ihr Wertpapierdepot möglichst gegen Verluste absichern können.
Ganz generell heißt es, Aktien dürften abstürzen, Rohstoffwerte profitieren.
Was die Erfolgsaussichten der vorgeblichen „diplomatischen Bemühungen“ zur Beilegung des Atomstreits betrifft – die liegen wohl (entgegen jeglichen scheinheiligen Behauptungen, es werde weiter auf Diplomatie gesetzt) alles in allem bei realistischen Null Prozent.
Nicht weil man nicht anders könnte – nein, offenbar will man einfach nicht.
Das sieht der Plan zur Sicherung der US-amerikanischen Vormachtstellung und ihrer strategischen US-Interessen nunmal nicht vor.
Schliesslich weiss man in der amerikanischen Neocon-Regierung: „Over the long term, Iran may well prove as large a threat to U.S. interests in the Gulf as Iraq has“, und ist sich sicher – „American leadership is good both for America and for the world”
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