Archiv der Kategorie 'Skandale'

16
Jul
07

“The Corporation” – Das pathologische Streben der Konzerne nach Geld und Macht

„The Corporation. Das pathologische Streben der Konzerne nach Geld und Macht“ gibt Aufschluss über den Charakter und den kometenhaften Aufstieg der wichtigsten Institution unserer Zeit, des Konzerns. Ausschnitte aus Popkultur, Fernsehnachrichten und Firmenpropaganda dokumentieren, in welchem Maße die Konzerne Einfluss auf unser Leben nehmen.

Der Film zieht die logische Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass der Konzern juristische Person ist, indem er ihn auf die Couch des Psychiaters legt und fragt: „Was für eine Person ist das eigentlich!“.
„The Corporation“ stellt die Frage nach der geistigen Gesundheit einer Institution, die im Geschäftsverkehr die Rechte eines Menschen genießt, ohne sich im mindesten um menschliche Werte zu kümmern. Der Film führt den psychopathischen Charakter der Institution „Unternehmen“ anhand von haarsträubenden Fallstudien vor, die zeigen, wie Unternehmen uns beeinflussen, unsere Umwelt, unsere Kinder, unsere Gesundheit, die Medien, die Demokratie und selbst unsere Gene – und wie sich die Menschen dagegen wehren.

Unter den 40 im Film Interviewten sind Konzernchefs und leitende Manager aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen: Öl- und Pharmaindustrie, Reifenherstellung, Schwerindustrie, PR, Branding, Werbung und verdecktes Marketing.
Darüber hinaus stehen ein mit dem Nobelpreis ausgezeichneter Ökonom, der erste Managementguru, ein Industriespion sowie eine Reihe von Wirtschaftswissenschaftlern, Kritikern, Historikern und Intellektuellen Rede und Antwort.

„The Corporation“ wurde mit 31 internationalen Preisen, 10 davon Publikumspreise, ausgezeichnet, u.a. dem Publikumspreis für Dokumentarfilm beim Sundance Film Festival 2004. Die DVD erscheint in Deutschland exklusiv bei Zweitausendeins.

„The Corporation. Das pathologische Streben der Konzerne nach Geld und Macht“. Englisches Original mit deutschen Untertiteln. Regie: Mark Achbar und Jennifer Abbott.

Teil 1:

Teil 2:
Reviews:

Die Spur des Psychopathen.

„Wahrscheinlich ist ‘The Corporation’ der meistprämierte Dokumentarfilm aller Zeiten …
Der Film ist eine akribische Darstellung des Wesens, der Entwicklung und der Auswirkungen des Großkonzerns in der modernen Kapitalgesellschaft …
Er zeigt, warum ein Konzern den Rechtsstatus einer juristischen Person besitzt, weshalb er sogar gesetzlich dazu verpflichtet, das eigene Wohl über das Wohl der Allgemeinheit zu stellen und auf moralische Skrupel keine Rücksicht zu nehmen …
Beispiele wie die Privatisierung des Regenwassers in der bolivianischen Stadt Cochabamba durch den US-Konzern Bechtel oder der Verkauf von Rechenmaschinen des amerikanischen Konzerns IBM während des Zweiten Weltkriegs an die Nazis, die in jedem Konzentrationslager für die logistische Bewältigung des Massenmordens verwendet wurden, zeigen deutlich die Spuren, die der Psychopath in Vergangenheit und Gegenwart hinterlassen hat …
Achbar, Abbott und Bakan führen auf 145 Minuten Länge den Beweis, dass im Moment kein Kraut gewachsen ist, das den Konzern resozialisieren könnte.“

Philipp Franz, Konkret, Oktober 2005

The Corporation – Schuhe vom Psychopathen

Eine Frage: Würdest du Brötchen vom Bäcker kaufen wenn du wüßtest, daß er seine Frau, Kinder oder Angestellten mißhandelt?

Bei Schuhen dürfte die Antwort schon etwas anders ausfallen. Oder anders gesagt, in Realität tun es immer noch die meisten Menschen obgleich sie auch diese Frage mit „Nein“ beantworten würden. Was das Eine mit dem Anderen zu tun hat erklärt ein neuer Dokumentarfilm aus Kanada: The Corporation (zu deutsch: Der Konzern).

phlow.net

Großartig bebildert und sehr kurzweilig.

„Das Thema des Dokumentarfilms ist gut abgehangen und nicht besonders sexy: Die Geschichte der Großkonzerne und ihr rücksichtsloser, weltweiter Kampf um Geld und Macht. Was aber die Kanadier Mark Achbar und Jennifer Abbottt daraus gemacht haben, ist sensationell: 145 brillant erzählte, großartig bebilderte und sehr kurzweilige Minuten. Nur zwei Ausschnitte: Fanta Orange wurde von Coca-Cola für Nazi-Deutschland erfunden, der Reifen-Multi Goodyear wollte mal einen US-Präsidenten stürzen. Nicht nur für Greenpeace- und Attac-Sympathisanten eine Pflichtveranstaltung.“

Stern, 11.8.2005

The award winning Canadian documentary ‘The Corporation’ has been released on BitTorrent for free. Filmmaker Mark Achbar just released an updated “official” torrent of it. Everyone is free to download, watch, discuss, and share it…

torrentfreak.com

Mehr zum Inhalt: Filmlexikon

Download (rs.com):

Part 1| Part 2| Part 3| Part 4| Part 5| Part 6| Part 7

Mirrors auf | Oxedion | Uploaded.to | netload.in | simpleupload | (xlice.net):

Hier klicken

Passwort: doku.dl.am

Größe: entpackt: 742MB, gerart: 622 MB (Xvid)

Dauer: 02:24:02

Uploader: dampfeimer (thx!)

Wer sich das Original kaufen möchte: Hier bestellen

Wem der Film gefällt, sollte über www.thecorporation.com etwas spenden und die Aktionen der Kanadier unterstützen.

Siehe auch:

- thecorporation.com
- The Corporation @wikipedia
- Schuhe vom Psychopathen @phlow.net
- alternativer Download / torrent @torrentfreak.com
- Soundtrack-Download @kikapu.net

13
Jul
07

Kinderarmut: Weniger Essen dank Hartz IV

von Prof. Rainer Roth, Frankfurt Main

Eine erfreuliche Mitteilung. Die SPD/CDU Bundesregierung tut etwas gegen Kinderarmut. Mit der Anhebung des Regelsatzes ab 1.Juli 2007 um 2 Euro mtl. stieg der im Regelsatz von Schulkindern bis 14 Jahren enthaltene Anteil für die Ernährung von 2,27 auf 2,28 Euro pro Tag. Der Aufschwung ist auch bei Hartz IV-EmpfängerInnen angekommen.

Wer aber weiß schon, dass 1987 im Regelsatz eines 12-jährigen Schulkindes noch 2,90 Euro für Essen und Trinken enthalten waren? Die herrschenden Parteien haben Kindern und ihren Eltern nach und nach in erheblichem Umfang Mittel für Essen und Trinken entzogen.

Ernährungsanteil bei Erwachsenen

Der Regelsatz eines alleinstehenden erwachsenen Sozialhilfebeziehers betrug 1987, also vor 20 Jahren, im Bundesdurchschnitt (umgerechnet) 203 Euro (398 DM).

Damals galt: 57% dieses Betrags, d.h. 116 Euro oder 3,87 Euro am Tag entfielen auf Ernährung. Ab Juli 2007 sind es noch 3,81 Euro. Mit dem annähernd gleichen Betrag kann man sich aber nur noch 20% weniger Lebensmittel kaufen, da die Lebensmittelpreise in diesem Zeitraum um 20% gestiegen sind.

Warum 57%?

Seit Anfang der 70er Jahre wurden die Regelsätze auf der Basis von Warenkörben festgelegt. Die Ernährungsausgaben für Erwachsene beruhten auf Berechnungen, wie ein durchschnittlicher Kalorienbedarf von Erwachsenen von 2250 Kalorien pro Tag zu befriedigen wäre. Sie betrugen rd. 57% des damaligen Eckregelsatzes.

Seit dem Ende der 80er Jahre galt als Maßstab für die anerkannten Ernährungsausgaben nicht mehr, wieviel jemand für eine halbwegs befriedigende Ernährung angeblich braucht, sondern was die unteren Verbrauchergruppen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) tatsächlich dafür ausgeben. Das war weniger als die kärglichen Beträge, die vorher zugestanden wurden.

Ernährungsanteil bei Schulkindern

Noch krasser war die Entwicklung bei den Kinderregelsätzen.

Die Prozentsätze der Kinderregelsätze und die Einstufung in Altersklassen orientierten sich mit der Einführung von Warenkörben Anfang der 70er Jahre vor allem am Kalorienverbrauch. Sie betrugen z.B. wegen des steigenden Energieverbrauchs für 8-11 jährige 65% und für 12-15-jährige 75% des Eckregelsatzes, für 16-21 jährige 90%. (Regelsatzverordnung vom 10.07.1971 nach Käthe Petersen, Die Regelsätze nach dem BSHG, Frankfurt 1972, 52) Das galt bis 1990.

Ein 12-jähriges Schulkind hatte auf dieser Grundlage im Jahre 1987 noch 87 Euro mtl. oder 2,90 Euro täglich zur Verfügung, ein zehnjähriges Schulkind 75 Euro bzw. 2,51 Euro.

Ab Juli 2007 sind davon noch 2,28 Euro übrig geblieben.

Würden die damaligen Prozentsätze vom Eckregelsatzes heute noch bestehen und wäre die Steigerung der Lebensmittelpreise um 20% berücksichtigt worden, müsste der Ernährungsanteil eines 12-jährigen Schulkindes heute nicht 2,28 Euro, sondern 3,48 Euro pro Tag betragen. Die zugestandenen Mittel für Essen und Trinken von Schulkindern aus Armutsfamilien sind also real um 1/3 gekürzt worden.

Das muss bekannt gemacht werden!

…Ganzen Artikel lesen / Quelle: pr-sozial / elo-forum.net

07
Jul
07

Schäuble “denkt”… (laut über “gezielte Tötungen” nach!)

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will den staatlichen Maßnahmenkatalog gegen Terror-Sympathisanten und so genannte Gefährder deutlich ausweiten. «Man könnte beispielsweise einen Straftatbestand der Verschwörung einführen wie in Amerika», sagte Schäuble in einem Interview des Magazins «Der Spiegel».

«Die andere Frage ist aber: Kann man solche Gefährder behandeln wie Kombattanten (Kämpfer) und internieren?» Schäuble denkt auch an Auflagen für Gefährder, die nicht abgeschoben werden können, «etwa ein Kommunikationsverbot im Internet oder mit dem Handy».

Es müsse geklärt werden, «ob unser Rechtsstaat ausreicht, um den neuen Bedrohungen zu begegnen», sagte Schäuble. «Die Bekämpfung des internationalen Terrorismus ist mit den klassischen Mitteln der Polizei jedenfalls nicht zu meistern.» Die rechtlichen Probleme reichten «bis hin zu Extremfällen wie dem so genannten Targeted Killing (gezielte Tötung)», sagte der Innenminister. Würde etwa Osama bin Laden aufgespürt und stünde eine derartige Entscheidung an, wären die Rechtsfragen in Deutschland völlig ungeklärt. «Wir sollten versuchen, solche Fragen möglichst präzise verfassungsrechtlich zu klären und Rechtsgrundlagen schaffen, die uns die nötigen Freiheiten im Kampf gegen den Terrorismus bieten.»

Im Koalitionsstreit um die umstrittenen Online-Durchsuchungen räumte Schäuble eine Etappen-Niederlage ein, weil es ihm nicht gelungen ist, den geplanten Gesetzentwurf bis zur Sommerpause im Bundestag einzubringen. Trotz des anhaltenden Widerstandes von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) setze er aber noch auf das Gespräch. Ermutigende Signale sieht er in der Erklärung von SPD- Fraktionschef Peter Struck, dass dieser gesprächsbereit sei.

Quelle: fr-online.de

Sorry, aber der Mann ist echt krank. „Würde Bin Laden in Deutschland aufgespürt…“ ?!? Erinnert mich ein wenig an die Geschichte mit der Gewissensfrage, die früher Wehrdienstverweigerern gestellt wurde. In etwa so:

Sie laufen mit ihrer Freundin durch einen Park, plötzlich von einer Horde Gangstern umstellt, die Freundin wird festgehalten, zufällig haben Sie eine Eierhandgranate in der linken und eine AK77 in der rechten Hand.

Was werden Sie tun?

Gegenfrage: Sie laufen mit ihrer Freundin durch einen Park, plötzlich sehen Sie Wolfgang Schäuble als Osama Bin Laden verkleidet auf sich zu rollen – zufällig haben Sie eine Eierhandgranate in der linken und eine AK77 in der rechten Hand…

..Was würden Sie tun?

Siehe auch:

- Der spinnt, der Schäuble! @schreibblog.eu
- Keine weiteren Fragen @medienecho.net
- Schäuble will Verdächtige töten lassen @politfactor.wordpress.com

26
Jun
07

“Selbst wenn Herr Wichert die Bänder aufgegessen hätte…

…würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können.- Bernd Melchers, der Leiter der Datensicherung im Hochschulrechenzentrum der Freien Universität Berlin bezweifelt die von Report Mainz zitierte Darstellung von Staatssekretär Peter Wichert.

Das ARD-Politikmagazin Report Mainz hatte am Montag über den Verlust der Geheimdienstinformationen aus den Jahren 1999 bis 2003 im „Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr“ berichtet. Das Magazin zitierte Melchers mit den Worten: „Die Bandlaufwerke melden problematische Bandkassetten über Standardschnittstellen (SCSI mod pages) an die Software – üblicherweise lange, bevor diese unleserlich werden. Die Datenintegrität ist über mehrere Fehlerkorrekturschichten abgesichert. Bei den etwa 0,1 Prozent der defekten Bandkassetten greift man dann auf die zweite Kopie zu – Verlustwahrscheinlichkeit also 0,0001 Prozent.“

In einem Schreiben an den Verteidigungsausschuss des Bundestages, das Report Mainz vorliegt, räumte Staatssekretär Peter Wichert ein, dass die betreffenden Daten „Ende 2004 verloren gegangen“ seien. Von den Daten sei „auf Grund der Speicherkapazität des Datensicherungsroboters jedoch nur einmal“ eine Sicherungskopie abgelegt worden. Weitere Sicherungskopien seien nicht realisierbar gewesen: „Der Datensicherungsroboter erlitt nach der Archivierung der Daten einen technischen Defekt“ und in einem anderen Lesegerät sei ein Teil der entsprechenden Bandkassetten nicht mehr lesbar gewesen. Letztendlich seien die Daten dann vernichtet worden, so Wichert.

Experte Melchers hegt Zweifel an der Darstellung: „Alles was fehlerfrei auf Bandkassetten geschrieben wurde, kann man innerhalb von 20 Jahren auch wieder auslesen. Nach jedem Schreibvorgang liefert die Firmware der Bandlaufwerke Informationen über die Qualität des Schreibvorgangs. Bei Lesefehlern muss im Zweifelsfall das Laufwerk gereinigt oder ein besseres Laufwerk genommen werden. Jeder Profi sichert außerdem in zwei Kopien. Selbst wenn Herr Wichert die Bänder aufgegessen hätte, würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können.“

Melchers betreut im Hochschulzentrum der Freien Universität Berlin einen Bandroboter mit 2000 Bändern und mehreren hundert Terabyte Daten. Gesichert wird dort laut Melchers grundsätzlich in zwei Kopien.

Auch von anderer Seite kommen Zweifel. So sagte der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele (Grüne) der in Hannover erscheinenden Neuen Presse, er habe noch im November 2006 einen Brief von Peter Wichert bekommen, wonach der Verteidigungsausschuss des Bundestages über Einsätze der Eliteeinheit KSK im Ausland informiert werde. Von Datenverlust sei dabei keine Rede gewesen. Es sei möglich dass die Bundeswehr versuche, „Informationen nicht nach außen zu geben“, wird Ströbele zitiert.

Quelle: golem.de

12
Jun
07

G8-Gipfel – Blick zurück im Zorn?

…zur G8-Berichterstattung, den staatlich bezahlten Krawallmachern und sonstigen Schweinereien „Unregelmässigkeiten“..

Über die reihenweise enttarnten Medienlügen schreibt z.B. 08/15.info folgendes:

..der Mainstream (hatte) sich schon lange vorher auf den Protest der Globalisierungsgegner eingeschossen, da wurde der Mythos der RAF wieder rausgekramt, um jede Art von Kapitalismus-Kritik mit dem Odem des Terrors umgeben zu können, da wurde der Festungswahnsinn mit immer neuen Terrordrohungen gerechtfertigt und da wurde alles versucht, die bunt zusammengewürfelte Protest-Szene schon im Vorfeld zu kriminalisieren und zu spalten. Aber der Einbruch des kreativen Chaos der Bloger-Szene, in die wohlgeordnete Welt der medial verbreiteten Realität, führte zu wachsenden Irritationen im kollektiven Wahrnehmungsraster…

..und beleuchtet einige Beispielen medial verbreiteter Lügen, wie den „Säure-Angriff“ auf Polizisten durch die „Rebel Clown Army“, sowie die „50 Molotow-Cocktails“ die angeblich bereits auf dem Weg Richtung Kontrollstelle waren, und weitere manipulative/manipulierende Falschmeldungen.

Auch die taz schreibt dazu:

„Friedliche Proteste erneut eskaliert.“ „Steine flogen in Richtung von Polizisten.“ Mit diesen oder ähnlichen Sätzen begann am Donnerstag die Berichterstattung vieler Medien über die Sitzblockaden bei Heiligendamm, an denen sich am Mittwoch viele tausend Menschen beteiligt haben. Die dramatischen Aussagen beruhen meist auf Meldungen der großen Nachrichtenagenturen dpa (Deutsche Presseagentur) und AP (Associated Press). Bei den OrganisatorInnen der Proteste und vielen vor Ort anwesenden JournalistInnen sorgen die Meldungen für Verwunderung: Bei den großen Sitzblockaden blieben die Demonstranten nach übereinstimmenden Aussagen friedlich. Steine hat dort niemand fliegen sehen.

Wie sind die Meldungen zustande gekommen? „Die Angaben über Steinwürfe beruhen ausschließlich auf Angaben der Polizei“, sagte dpa-Sprecher Justus Demmer am Donnerstag zur taz. Obwohl die Agentur mit mindestens 15 Mitarbeitern bei den Protesten vor Ort war, habe kein Reporter etwas davon mitbekommen. Auch Fotos von Ausschreitungen gebe es bei dpa nicht…

Ein weiterer guter Artikel über die Medienberichte zu den G8-Protesten ist auf der Seite gegen-hartz zu finden.

…Die Anwohner bei den Blockaden jedenfalls interessierten sich für wesentlich mehr als die Frage wie und wo wer über welches Feld gelaufen ist, um teilweise überrascht festzustellen, dass diese „jungen Leute“ wirklich eine Idee von einer anderen Politik haben und diese durch ihr kreatives und solidarisches Verhalten sogar vorleben.

Die elitären Vorstellung vieler Medienmacher, „dem einfachen Bürger“ seien komplexe Inhalte nicht zu vermitteln passt dies natürlich nicht ins Konzept und deshalb werden Feindbilder von vermummten Demonstranten produziert, die eine friedliche und unschuldige Polizei mit Steinen bewirft. Dass die Bilder der durchaus kritikwürdigen Auseinandersetzung auch die Brutalität der Polizisten gegen Unbeteiligte zeigen geht in dieser Suggestion vollkommen unter. Anstatt den Geschehnissen weiter nachzugehen wird lieber aus den Pressemeldungen der Polizei abgeschrieben, die sich nachweislich, im Falle der Verletztenzahlen, als manipuliert herausgestellt haben. Was darüber hinaus für Gewalt von den versammelten Industrienationen der Welt ausgeht und zwar nicht nur in Form von Kriegen, sondern ebenso in Form von materieller Ausbeutung, Marginalisierung und Ausschluss großer Teile der Weltbevölkerung von der Gestaltung der Politik spielt in großen Teilen der Berichterstattung überhaupt keine Rolle…

Die linkezeitung befasst sich mit dem aufgeflogenen „Agent Provocateur“, bezugnehmend auf Berichte von oraclesyndicate, die sich sehr umfassend und fundiert mit diesem Thema beschäftigen und über aufschlussreiches Fotomaterial verfügen.

Bereits bei den simultan erfolgten Ausschreitungen in Rostock hat Journalismus – Nachrichten von Heute, „geheime Staatsbedienstete“ im schwarzen Block ausgemacht. Wir haben Hunderte von Fotos und Filmbeiträge anaylisiert und unsere dieselben Personen, die sich deutlich von den Demonstranten unterschieden, obwohl sich zivil gekleidet waren, immer wieder an verschiedenen Orten entdeckt. Am Mittwoch gegen 19:00 Uhr wurde vor der Kontrollestelle Galoppenrennbahn in der Nähe von Heiligendamm ein Agent Provocateur enttarnt. In seinem Team war jener, den wir seit den „Bränden“ von Rostock beobachteten.

Das zeigen Videos und Fotos: Sie operieren im Team von fünf „Undercover Agenten“ – ähnlich wie die GSG9, mischen sich unter den leicht zu infiltrierenden schwarzen Block, heizen tüchtig ein und sorgen mutmaßlich dafür, dass die Gewalt ausbricht. Aufmerksam wurden wir auf das Team über die Bildserie eines Fotografen der dpa – vermummte, mit Steinen bewaffnete Chaoten, vor den Flammen purer Gewalt.
Auffällig war, dass sie nicht einfach mit Steinen warfen, sondern eine klare Hierarchie inklusive Befehlsausgabe erkenntlich ist. Die Befehlsausgabe ist militärisch, wie sie auch in Militärschulen gelehrt wird: Disziplin; ein Phänomen, das man freilich von der Autonomen-Szene nicht gewohnt ist, vor allem wenn es um den Befehlsempfang geht…

Über „Heiligendamm und Rostock aus der Sicht eines christlichen Pazifisten“ schreibt lebenshaus-alb:

Mit Hilfe einer aufmerksamen politischen Analyse konnte man schon vor den Protesten gegen den G8-Gipfel im Ostseebad Heiligendamm wissen: Vor Krawallen, Steinen oder Zündeleien hatten die Herren des Gipfels keine Angst. Die einzige Angst der Mächtigen war – allzu offenkundig – eine Angst vor der Gewaltfreiheit des Protestes. Die ganz gegenteiligen Appelle, medienwirksam verbreitet nach vorausgegangenen polizeistaatlichen Repressionen gegen Kritiker, sind nur Beleg für diese Beobachtung. Gab (bzw. gibt) man bei Google die Stichworte “Heiligendamm” und “Gewaltfreiheit” ein, so erschienen noch während der Gipfelproteste auf einem halben Dutzend Seiten erstmal Aufrufe zur Gewaltfreiheit von Kanzlerin Angela Merkel.

Der Grund für die Nervosität der Politik im Vorfeld ist einfach zu benennen: die neue Bündniskonstellation unter Einschluss der radikalen Linken und der Konsens eines gewaltfreien Vorgehens bei der Durchführung eines entschiedenen und möglichst effektiven Zivilen Widerstandes. Zur Abwehr mussten mehrere Dinge erreicht werden:

  • die Spaltung des Bündnisspektrums und der Aufbau des kollektiven Feindbildes “schwarzer Block”;
  • die Kriminalisierung von zivilem Ungehorsam, wobei im Vorfeld bürgerrechtlich erprobte Regelverstöße z.T. fast schon als terroristische Methoden vorgeführt wurden;
  • die Vorsorge für Gewaltereignisse, ohne welche die breite kritische Stimmung in der Bevölkerung in eine für die Politik vernichtende Gipfel-Bilanz führen würde;
  • die inhaltliche Reduktion der vom Protest im Zusammenhang einer aggressiven und kriegerischen Weltwirtschaftsordnung gesehenen Themenfelder auf das Genehme.

Medien und Politik mussten die Gewalt zunächst förmlich herbeireden…

Weiterführende Links finden sich auf den zitierten Seiten.

Nochmals sehr empfehlenswert sind definitiv die Berichte von oraclesyndicate, spiegelfechter und politblog, welche sich mit den Ereignissen und dem Hintergrundgeschehen rund um den G8-Gipfel ausführlich und kritisch auseinandersetzen.

Abschliessend noch ein kurzes Video vom polylog…

Was bleibt vom Protest gegen G8?

Was bleibt – ist die naive Hoffnung, dass mehr Menschen Spiegel und BILD wegschmeissen, vom Sofa aufstehen und ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen, durch Protestaktionen (die ja nicht zwangsläufig spassfrei sein müssen), Demonstrationen, Streiks oder beispielsweise Strassenbloggen.

Ich mein, mal ehrlich: Was braucht ihr noch? Was muss passieren bevor der Punkt „Genug!“ erreicht ist? Müssen erst alle Anderen, und zum Schluss Mann/Frau selbst leiden? Armut? Aufstände? Oder erst wenn der Fernseher kaputt geht, und der Hartz-bezuschusste Zeitarbeiter-Tageslohn nichtmal mehr für das Klopapier mit den 4 grossen Buchstaben reicht??




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